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Banking 4.0 - Was es nicht ist!

In „Der Bank Blog“ von Herrn Dr. Leichsenring konnte man gestern folgende „Acht Thesen für einen erfolgreichen digitalen Wandel“ aufgestellt durch Dr. Harald Vogelsang lesen:

  1. Klassische Finanzintermediäre werden auch künftig gebraucht.
  2. Digitalisierung ist kein Selbstzweck sondern muss Nutzen stiften.
  3. Die Digitalisierung muss zu Ende gedacht werden.
  4. Online und offline müssen intelligent verzahnt werden.
  5. Es wird eine Renaissance der Beratung geben.
  6. FinTech: Miteinander statt „Entweder – Oder“
  7. Gleiche Geschäfte müssen in gleicher Weise reguliert werden.
  8. Akzeptanz und Vertrauen der Finanzbranche müssen gestärkt werden.

Diese finde ich persönlich sehr diskussionswürdig und möchte es kommentieren:

  1. Klassische Finanzintermediäre in der Struktur wie vor ein paar Jahren gibt es bald nicht mehr. Die Bankenlandschaft hat sich bereits rapide verändert und wird sich weiter sehr schnell verändern müssen. Ansonsten werden wir nur noch eine Hand voll Banken haben, die daß „klassische Geschäft als Finanzintermediär“ abwickeln.

  2. Das jeder Veränderung Nutzen stiften muß, da diese sonst in Frage gestellt würde, ist eine Selbstverständlichkeit. Die Digitalisierung als Grundprinzip des Banking 4.0 hat aber komplett neue Dimensionen. Das ist z.B. das Prinzip der Zerstörung oder auch disruptives Geschäft genannt. Es beinhaltet gang neue Zwänge, mit denen sich heutige Banken strategisch beschäftigen müssen, wenn sie nicht jetzt schon Ihr Geschäftsmodell wie die meisten Landesbanken verloren hätten.

  3. Auch wenn man Veränderung wie Digitalisierung immer weiter denken muß, so kann man Digitalisierung nicht wirklich zu Ende denken. Sie lebt durch die externe Innovationskraft und kaum eine Bank ist heute in der Lage die kreativen Köpfe auf Dauer zu beschäftigen, die hier zu Ende denken könnten. Das Prinzip der Ethik und die Ableitung der Nachhaltigkeit und Verantwortung sollte hier nicht als Werbemotiv und Feigenblatt, sondern grundsätzlich als Unternehmensleitlinie umgesetzt werden, damit man im Wettbewerb sich den notwendigen Vorsprung erarbeiten kann.

  4. Wenn Online und Offline intelligent verzahnt werden müssen, bedeutet das eine neue Qualität der Integration. Wir sollten hier nicht mehr in bestehenden Prozessen und Services „verzahnen“. Online ist ein Werkzeug, daß intelligent genutzt werden will und flexibel gehalten werden muß, um den waren Wettbewerbsvorteil zu schöpfen. Wenn GRC-Prozesse heute von mehreren Providern flexibel aus der „Wolke“ kommen, dann zeigt das erst den Beginn der Dimensionen, auf die sich heute Banken vorbereiten müssen. Es geht heute nicht mehr um die intelligente Verzahnung der 80er und 90er Jahre. Wer heute noch stolz und „intelligent verzahnt“ Bestätigungen für Derivate auf dem Postweg versendet, der wird morgen das Geschäftsmodell verloren haben. EIne Bank, die nach einer einfachen Wertpaierorder fünf Snail-Mailsschickt und 20 Seiten zur Authorisierung braucht, ist vielleicht gut verzahnt. Sie ist aber nicht fit für den Wettbewerb.

  5. Eine Renaissance der Beratung vermute ich nicht - nicht in der Beratung als Banker und nicht in der Beratung der Banken. Wir erleben auch einen Wandel in der Generation, die zu völlig neuen Ansprüchen und Arbeitsformen führt. Das klassische Beratungsmodell wird es so bald nicht mehr geben und es wird auch nicht vergleichbar zurück kommen.

  6. Wer behauptet das FinTech ein Wettbewerb in der Form „Entweder - Oder“ erleben, dem empfehle ich genauer hinzusehen. Dynamik, Geschwindigkeit, Versuch und Kooperation auch im Wettbewerb sind hier schon seit der Dotcom-Zeit die Attribute und werden gelebt bzw. immer wichtiger im Überleben. Hier wird nicht für die nächsten Jahre sondern für Projekte entschieden, schnell und temporär. 

  7. Um gleiche Geschäfte gleich zu regulieren, muß man erst einmal wieder „gleiche Geschäfte“ haben. Die Standardisierung war Thema der Industrialisierung 1.0. Heute steht die Individualisierung im Vordergrund. Wenn man an die FX-Derivate und gebrochenen Laufzeiten im Rahmen der MiFID2 denkt, dann vermag man aber noch nicht nicht die Dimensionen im Retail-Geschäft der Banken erfassen können. Wer dort individueller und disruptiv agiert, der wird den klassischen Intermediären den Wettbewerb streitig machen können. 

  8. Akzeptanz und Vertrauen haben die klassischen Banken zum größten Teil verloren. Jede weitere schlechte Schlagzeile potenziert das Desaster. Es wird möglicherweise über Jahrzehnte dauern, dass klassische Intermediäre Akzeptanz und Vertrauen wiederherstellen können. Aber nicht mit dem gleichen Geschäftsmodell, denn das ist für das Problem die Ursache!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass Banken zu Recht einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Es bedarf aber mehr, als an alten Mustern festzuhalten, um die Chancen der Digitalisierung und des Banking 4.0 für alle Menschen zu nutzen.

Ich freue mich auf die Diskussion und ein Feedback. Die "News" unter Xing mit Hinweis auf den Blog-Beitrag finden Sie hier. Den vollständigen Beitrag von Herrn Dr. Harald Vogelsang lesen Sie hier.

 
 

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